MedienpädagogikStartseiten-NewsVorträge

Fortnite: Fluch und Segen?!

von unserem Gastautor und Referenten Felix Nettelstroth

Vorab gilt zu sagen, die Formulierung war kein Fehler, diese ist beabsichtigt, da das Spiel definitiv als beides charakterisierbar ist. Fortnite hat innerhalb von 2018 die Welt wie ein Sturm erobert; das außergewöhnliche: das Spiel ist auch komplett im Alltagsgeschehen und im realen Leben angekommen. Schüler vollführen (Todes-)Tänze aus dem Spiel auf dem Schulhof und professionelle Fußballer vollführen die gleichen Tänze in Fußballstadien .

Was macht das Spiel so erfolgreich und welche Probleme bringt es mit sich? Dieser Frage widmete sich Felix Nettelstroth (Student, Universität Koblenz) im Rahmen seines Vortrages auf dem Barcamp des MZLW.de. Deshalb vorab ein paar Fakten zu Fortnite: Das Spiel hatte im November 2018 200 Millionen Spieler, es gewann bereits 5 Auszeichnungen, erhielt gute Kritiken und die Firma dahinter (Epic Games) hat im Jahr 2018 3 Milliarden Dollar verdient. Zahlen, welche für ein 1 Jahr altes Spiel sehr beeindruckend sind.

Nun fragt man sich woher dieser Erfolg? Schlüsselprinzip ist hierbei die Tatsache, dass das Spiel kostenlos ist und zwar auf allen Plattformen. Fortnite findet sich auf den Handys, dem Computer, der Playstation, der XBOX und sogar auf der WiiU. Somit erreicht das Softwareunternehmen Epic Games, als Publisher, das größtmögliche Publikum. Das Grundprinzip des Spiels ist simpel, die Lernkurve zu Anfang geht sehr sehr schnell, die Wartezeit (Downtime) zwischen den Runden geht in Richtung Null.

Dadurch lässt sich das Spiel entspannt und ohne Anstrengung, als Ablenkung vom Alltag spielen.  Dies in Kombination mit der Einzigartigkeit des Spiels macht es zum perfekten Spiel für Casual Spieler und “Hardcore Gamer”.

Aber wo finden sich hier die Probleme? Das Kernproblem findet sich in den Vorteilen, man hat kaum bis keine Wartezeit zwischen den Runden, man verliert und hat direkt den nächsten Versuch. Darunter leidet das reflektierte Denken, man investiert keine Zeit mehr nach dem Spielen, um kurz mal Revue passieren zu lassen, was man gerade getan hat und worauf es basiert.
Durch die recht schnelle Lernkurve zu Anfang ist man schnell “angefixt”mehr Zeit zu investieren, um besser zu werden. Hier aber offenbart sich die Kehrseite der Medaille: wo die Lernkurve zu Anfang noch sehr schnell geht, belohnt das Spiel jetzt nur noch, wenn man wirklich viel Zeit investiert. Motiviert durch den vorhergehenden schnellen Erfolg versucht man dies und verbringt 5 Stunden oder mehr, um besser zu werden.
Kombiniert man dies mit der geringen Downtime kommt man schnell in eine Abwärtsspirale, bei welcher man das Spiel in den Vordergrund rückt und Schule, soziale Kontakte und körperliche bzw. mentale Gesundheit vernachlässigt.
Ein Punkt welcher zwar nicht auf das Suchtverhalten aufbaut aber mit der massiven Popularität einhergeht, ist der Einfluss des Spiels auf das alltägliche Leben und auch den sozialen Status.
Fortnite lockt mit kosmetischen Inhalten welche das Aussehen des Charakters ändern und den Tänzen, welche mittlerweile viral gehen.
Diese Inhalte kosten alle Geld, Skins (Aussehen des Charakters) bewegen sich im Preisbereich von 8-20€; die Tänze kosten bis zu 8€.
Gerade bei jüngeren Konsumenten kann es nun vorkommen, dass man sich über diese Skins auch im Alltag unter Freunden oder Schulkameraden definiert. Was zum zusätzlichen Kauf solcher Inhalte noch mehr motivieren kann.
Während des Vortrags erzählte eine Lehrerin von eben einem solchen Fall, bei welchem ein Junge keinen Anschluss in der Klassengesellschaft fand, da er kein Fortnite spielen darf.
Es sollte niemals soweit kommen, dass Videospiele unser Alltagsleben beeinflussen.

Nun stellt sich die Frage: Wie löst man jene Probleme?  Vorab gilt hier zu sagen, dass ein komplettes Verbot wie es sicher mancher gerne hätte und sicher auch einige Eltern ihren Kinder auferlegen, keine Lösung ist.
Viel wichtiger ist es, dass wenn ein Kind Fortnite spielen möchte, man Zeiten abspricht, in welchen Kinder spielen dürfen. Hierbei ist es natürlich wichtig, dass beide Seiten darauf achten, diese Zeiten auch einzuhalten. Ebenfalls zu betrachten gilt, Abweichungen von ein paar Minuten von Seiten der Eltern auch akzeptiert werden sollten. Für die meisten Kinder ist es schwierig, gerade bei einem Spiel welches online und auch teils teambasiert ist, mitten in einer Runde aufzuhören. Wenn man als Elternteil hier dem Kind das Fertigspielen der Runde noch eingesteht, ist es sicher hilfreich, dabei ein positives Klima zu halten. Aber auch für die Kinder gilt, wenn man weiß, dass in 5 Minuten die Spielzeit vorbei ist, man keine neue Runde anfangen und sich dann auf die “Fertigspielen Regel” berufen sollte. Der Schlüssel hierbei ist eine Vereinbarung zu finden, mit der beide Seiten zufrieden sind und an welche sich auch gehalten wird.
So kann man vorbeugen dass übermäßig viel gespielt wird und man in eine vorher beschriebene Abwärtsspirale gerät. Dem Kind wird nicht der Spaß genommen und es hat die Möglichkeit, mit den Freunden mal ein paar Runden zu spielen und nicht komplett außen vor zu sein.

Den Einfluss des Spiels auf den sozialen Status kann man als Außenstehender schwer beeinflussen, hier hilft nur ein Appell: Es ist unsinnig andere aus einer Gruppe auszuschließen, nur weil er/sie ein Videospiel nicht spielt. Das sollte man als Kind/Jugendlicher im Hinterkopf behalten, denn wie würde man sich selber fühlen, wenn man wegen so etwas Belanglosem den Draht zu seinen Freunden verliert? Abschließend gilt zu sagen, dass Fortnite wie der Titel schon sagt sowohl Fluch als auch Segen ist.
Es eignet sich gut als Ablenkung wenn man einfach mal vom Alltag abschalten möchte, aber es sollte eben auch dabei bleiben. Man sollte immer die wichtigen Dinge wie Freunde, Schule, Arbeit etc. in den Vordergrund stellen. Letztendlich kontrollieren wir das Videospiel und nicht das Videospiel uns.
Als Elternteil sollte man sich bewusst sein, dass strikte Verbote oft nicht helfen und als Kind sollte man bedenken, dass eingeschränkte Zeiten oft nur zum Schutz sind, denn oft fehlt einem als Kind/Jugendlicher das vernünftige Urteilsvermögen für solche Dinge, was eine Tatsache ist welche jeder in seinem Leben lernt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.