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Medienbildungskonzepte und Tablet-Konzepte – Roadshow

Der DigitalPakt Schule folgt dem Grundsatz „Keine Ausstattung ohne Konzept“. Die Voraussetzung für die Beantragung von Fördermitteln ist die Vorlage Ihres schuleigenen Medienbildungskonzepts (MBK). Es gibt jedoch etwas noch wichtigeres als als Gelder und bessere Medienausstattung: Diese Schülergeneration mit den notwendigen Kompetenzen für ihre Zukunft auszustatten.

So ist beides besonders zu berücksichtigen und dafür bietet sich eine Medienbildungskonzept an. Weitere Informationen zu Medienbildungskonzepten auf unserer Homepage medien-bildung.info/.

Am Dienstag, 4. Dezember 2018 gab uns uns unser Referent Frajo Ligmann vom Gymnasium Würselen in der PPC-Schule Einblicke zur praktischen Umsetzung. Die Veranstaltung wurde auch von Sven Albrecht von der Cancom und Lisa Coronato von Apple unterstützt.

„Wer […] daran glaubt, dass das Bildungssystem auch die Aufgabe hat, die Lernenden auf die berufliche und gesellschaftliche Zukunft vorzubereiten, kann daher nicht ernsthaft über das „Ob“ der Verschmelzung von Internet und Bildungssystem diskutieren, sondern nur noch über das „Wie“.“ www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/sascha-lobo-digitalisierung-des-bildungssystems-a-1053230.html

„Sie müssen lernen, unterschiedliche Rollen einzunehmen. Sie sollten zudem von der Vorstellung wegkommen, alle Inhalte selbst vermitteln zu wollen. Dieser Anspruch wird durch die Digitalisierung der Medien hinfällig werden und ist es teilweise jetzt schon. Die digitale Welt ist einfach da und die Frage ist nicht ob, sondern wie die Schule damit angemessen umgeht.“ www.sueddeutsche.de/bildung/schulpaedagogik-professor-ueber-lehrer-es-muss-auch-mal-hart-zugehen-1.2353328-2

Umsetzung

 Besonderes Herzensanliegen von unserem Referenten war das Kollegium direkt schon am Anfang nachhaltig einzubinden und dabei immer Schritt für Schritt vorzugehen: Als erstes kommt der Prototyp und dann die Serienreife.

Daher war bereits das vorhergehende Projekt Lemmon gescheitert. Hier wurden elternfinanzierte Laptops direkt ohne Konzept und Vorbereitung auf alle Schüler verteilt. Durch viele Defekte und wenig Erfahrung der Lehrerinnen und Lehrer kamen sie kaum zum Einsatz.

Erfolgreiche Umsetzung

Bei dem nächsten Projekt musste daher der erste Anlauf klappen. Diesmal klappt alles. Nach seiner Erfahrung war dafür das Zusammenspiel zwischen dem Technik-Kollegen (er) und dem menschlicher denkenden Praktiker (seine Schulleiterin) entscheidend.

Technisch entschied sich die Schule für

  • Apple Tablets: fast keine Wartung notwendig (Laptop: jedes bewegliche Teil kann kaputt gehen), sehr leicht zu administrieren (mit wenigen Mausklicks eine App überall installiert nach geringem Einarbeitungsaufwand)
  • Eine Klasse Jahrgang 7: auf Grund der Reife der Schüler leichter einzuführen, später auf niedrigere Jahrgänge übertragbar
  • Mietkauf hier 11 Euro/Monat bei einer Laufzeit von 36 Monaten, danach kostenlos im Eigentum der Eltern. Das ist günstiger als eine Klassenfahrt und günstiger als die vorherigen Laptops mit ihren 29,50 Euro/Monat. Bei beruflichen Schulen könnte auf Grund der geringeren Schuljahre das Leasingmodell interessanter sein.
  • Poolgeräte als Ersatz für defekte Geräte und für Referendare sind wichtig. Allerdings war sein einziger Defekt für ein ganzes Jahr ein fahrlässiger Hüllenbruch. Generell benötigen Reparaturen nur eine Woche bei dem entsprechenden Wartungsvertrag.
  • Diese wenigen Reparaturen waren auch den guten Schutzhüllen geschuldet. Nach seiner Erfahrung ersetzen die Schutzhüllen eine Versicherung. Er verwendete dafür Hüllen von Otterbox.
  • Die Ersteinrichtung umfasste bei ihm für 60 oder beliebig viele Geräte 20 Minuten. Alternativ lässt sich die Administration auch für  5 Euro/Jahr pro Gerät outsourcen an eine Firma.
  • Weiterhin sind bei Geräten in Schülerhand in längeren Abständen die Geräte mit den Schülern gemeinsam zu entmüllen. Diese Tätigkeit benötigte nach seiner Erfahrung ca. 30 Minuten für 30 Geräte.
  • Als Lernplattform nutzte die Schule Fronter.

Menschlich setzte die Schule es so um:

  1. Vorbereitungsteam aus 4 Lehrern bildete sich gegenseitig fort und sammelte Erfahrung
  2. Vor dem kommenden Schuljahr: 8-10 Lehrkräfte möchten freiwillig in der Tablet-Prototyp-Klasse unterrichten. Sie bildeten sich in einer zweitägigen Fortbildung fort und planten die Einführung der Tablet-Klasse: Bei Schülern ist eine gleichzeitige Einführung von den selben Methoden besser akzeptiert und es spart Unterrichtszeit, wenn sie schon bekannt sind.
  3. Alle 2 Wochen trafen sich die Lehrkräfte Anfangs 2 h, später 1h. Dafür wurden 0,25 h Entlastung angerechnet. Der Spaß war jedoch unbezahlbar.
  4. Aufgaben auch für den Vertretungsunterricht wurden im Vorfeld in die Lernplattform eingestellt. Dies ermöglichte selbstgesteuertes und individuelles Lernen. Es empfiehlt sich daher auch Vertretungslehrerinnen und -lehrer in der Tablet-Klasse einzusetzen, die dort nicht unterrichten. Dadurch können sie bei dem Vertretungsunterricht entlastet werden und den Nutzen kennenlernen. Nach Erfahrung der Schule begeistert es immerwieder einen Vertretungsunterricht vorzufinden wo die Schüler bereits leise und aktiv arbeiten bevor der Vertretungslehrer in die Klasse kommt.
  5. Mit der Zeit wurden die Tablet-Klassen auf zwei von drei erhöht. In der Nicht-Tablet-Klasse sind Schüler, die es sich so gewünscht haben.

Praxisbeispiele:

  • Schülerexperimente vs. Lehrerexperimente: Bei manchen Experimenten muss die Lehrerin oder der Lehrer das Experiment aus Gründen der Sicherheit durchführen oder weil nur ein Gerät vorhanden ist. In diesem Fall können Schüler das Experiment als Lernvideo ohne Text erhalten und müssen eine Nachrichtensendung dazu erstellen.
  • Ein Frontalinput kann auf einem Arbeitsblatt ausgeteilt werden. Dieser muss zerschnitten und in der Gruppe als Film aufbereitet werden. Dabei müssen alle Gruppenmitglieder ungefähr gleich viel Redezeit haben und der Film darf nicht geschnitten werden. Dadurch muss man sich im Vorfeld viele Gedanken über das Thema machen. Dementsprechend bleibt es besser im Gedächtnis.
  • Flipped Classroom: Bei traditionellem Unterricht erhalten nach Angabe des Referenten 60% Nachhilfe in einem Gymnasium. Auch werden Hausaufgaben nicht direkt nach Unterricht erledigt, wenn man sie noch weiß, sondern kurz vor knapp per Austausch über WhatsApp. Bei Flipped Classroom ist die Aufgabe sich über u.a. Lernvideos auf den Unterricht vorzubereiten. Im Unterricht werden dann Übungen dazu gemacht. Dadurch kann sichergestellt werden, dass es jeder verstanden hat. Chat-Gruppen können auf einer Lernplattform datenschutzsicher und kontrollierbar bereitgestellt werden.
  • Einführung von Flipped Classroom: Am Anfang hat nur ein Teil der Klasse das Video angeschaut und sich vorbereitet. Diese dürfen ein internetbasiertes Gamingquiz zum Thema über Kahoot machen. Alle anderen müssen sich den Stoff aus dem Buch analog über ein Blatt Papier erarbeiten.
  • Transparenz Eltern: Lernplattformen helfen die didaktische Planung nachvollziehbar und verständlich zu machen. Lernbegleiter und Eltern können die Themenerarbeitung dementsprechend stärker unterstützen.
  • Einsatz von Lernvideos und Ergebnissicherung: Video sollten vor der Weitergabe durch die Lehrkraft angeschaut werden. Die Videos lassen sich mit EDpuzzle bearbeiten, kürzen und mit Aufgaben ergänzen und dadurch den Lerneffekt steigern. Die Ergebnisse sind auswertbar.
  • Filmen mit eigenem Tablet:  Wenn der Film auf dem Tablet des Schülers ist, ist das für den Datenschutz besser -> Datenschutz besser
  • Schüler sehen mit der Zeit Tablet als Arbeitsgerät und Smartphone zum Spielen

Weitere Informationen

Kollaborativ und interaktiv Hausaufgaben erstellen (das Video aus der Präsentation)

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